Verstrickungsraten und Auswirkungen auf die Population


Um Folgen für die Populationsentwicklung abschätzen zu können, sollen ganzjährig zwischen November 2018 und Juni 2020 durch künstliches Nistmaterial verstrickte Individuen im NSG „Lummenfelsen“ erfasst werden. Basstölpel und Trottellummen verstricken sich im künstlichen Nistmaterial und verenden in den meisten Fällen, da sie sich nicht aus den Plastikrückständen befreien können. Bereits mehrfach wurden im Sommerhalbjahr Erfassungen der verstrickten Seevögel sporadisch durch das Institut für Vogelforschung "Vogelwarte Helgoland" und regelmäßig seit 2014 durch das FTZ im Rahmer zweier F&E-Vorhaben, finanziert durch das Umweltbundesamt (2014-2016: "Kohärentes Monitoring der Belastungen deutscher Meeres-und Küstengewässer mit menschlichen Abfällen und der ökologischen Konsequenzen mit weiterem Fokus auf eingehender Identifizierung der Quellen“, UFOPLAN 2014; 2017-2021: "Folgebewertung und Etablierung einer Langzeitüberwachung der Belastung verschiedener Meeresbereiche und Biota durch marine Abfälle (Meeresmüll)", UFOPLAN 2017) in der Helgoländer Kolonie vorgenommen. Das vorhandene Datenmaterial soll überprüft und durch oben beschriebene Erfassungen ergänzt werden. Trottellummen besuchen ab Ende Oktober unregelmäßig die Brutfelsen. Zu dieser Zeit sind die Basstölpelnester nicht besetzt, so dass die Vögel noch näher an die Basstölpelnester herankommen und damit die Verstrickungsgefahr steigt. Jeden Winter sterben so eine relativ hohe Anzahl an Trottellummen, quantitative Angaben hierzu fehlen jedoch bisher völlig.

Über die Auswirkungen von Plastikmüll als Nistmaterial auf Seevogelpopulationen ist wenig bekannt. Aus diesem Grund sollen in dieser Forschungsarbeit die erfassten Verstrickungsraten in ein zu entwickelndes Populationsmodell einfließen, um zu schauen, welchen Effekt die Verstrickung auf die Population hat oder bei steigender Verstrickung in Zukunft haben wird.