Räumliche und zeitliche Aspekte des Eintrags von künstlichem Nistmaterial und Auswahl des Nistmaterials


Bisher gibt es keine Erfassungen, welche Zeitpunkt und Zeitraum des Eintrags von künstlichem Nistmaterial in Seevogelnester behandeln. Aus diesem Grund sollen Erfassungen zum Eintrag von Nistmaterial während der Nestbauphase durchgeführt werden, um die Phänologie des Plastikeintrags (Zeitpunkt und Zeitraum; primäres oder sekundäres Nistmaterial) zu bestimmen.

Räumliche Erhebungen darüber, ob Seevögel gezielt bestimmte Seegebiete zur Beschaffung von künstlichem Nistmaterial aufsuchen oder dieses zufällig am Ende von Nahrungsflügen oder während Ausflügen zur Nistmaterialbeschaffung gesammelt wird, fehlen bislang völlig. Durch GPS-Besenderung soll untersucht werden, wohin die Individuen zur Nistmaterialsbeschaffung fliegen und ob gezielt bestimmte Seegebiete zur Beschaffung von Nistmaterial aufgesucht werden oder dieses zufällig am Ende von Nahrungsflügen gesammelt wird.

Erkenntnisse darüber wann das Material eingetragen wird und ob dafür gezielt Bereiche in der Deutschen Bucht aufgesucht werden, lassen noch keinen wirklichen Rückschluss zu, ob die Tiere bestimmte Arten von Plastikmüll auf Grund der Struktur oder Farbzusammensetzung gegenüber anderen Plastikmüllformen bevorzugen. Aus diesem Grund soll durch einen Vergleich zwischen Plastikmüll in den Nestern und Daten von Spülsaummonitoringprogrammen an der deutschen Nordseeküste sowie einer Forschungsausfahrt über das AWI in ggf.  von den Tölpeln genutzten Bereichen zur Nistmaterialssuche (Probenentnahme Makroplastik) geprüft werden, wie sich die Plastikmüllarten an Stränden aber auch in den genutzten Bereichen zusammensetzen und ob daraus Rückschlüsse zu ziehen sind, ob Tölpel gezielt bestimmte Plastikmüllstrukturen bzw. -farben sammeln.

Aktueller Stand

  • 2019 wurden 40 Testnester während der Brutzeit beobachtet. Dokumentiert wurde der Eintrag von künstlichem Nistmaterial in die Nester um den Peak des Eintrags einzugrenzen und ein Verständnis dafür zu bekommen, in welchem Zeitraum Plastik eingetragen wird.

Ergebnis: Der Haupteintrag von Plastik in die Basstölpelnester war von Ende April bis Ende Mai. Meist wurde das Plastik als "Grundgerüst" des Nestbaus genutzt.

  • 2020 wurden 90 Nester beobachtet um die Eintragsspanne besser einzugrenzen und eine höhere Stichprobe zu erhalten.
  • 2020 wurden zusätzlich Erfassungen bei anfliegenden Basstölpeln durchgeführt und das Nistmaterial dokumentiert. 
  • 2020 Wurden Anfang Mai Wildkameras ausgebracht um ausgewählte Nester kontinuierlich zu beobachten. Die entsprechenden Tiere wurden zusätzlich mit GPS-Sendern ausgestattet um zu schauen, ob die Tiere möglicherweise gezielt bestimmte Orte für die Beschaffung von Plastikmüll anfliegen.

Ergebnis: Die erweiterte Beobachtung der Nester sowie die Kontrolle des Nistmaterials anfliegender Basstölpel ist noch nicht vollständig ausgewertet. Jedoch wurde das Zeitfenster des Hautpeintrages mit Schwerpunkt im Mai bestätigt. Durch die Nestbeobachtung wurde das eingetragene Plastik zusätzlich kategorisiert. Zusätzlich erlangten wir ein deutlich besseres Verständnis über die verschiedenen Arten des eingetragenen Materials anhand der Kontrolle der Tiere, die mit Nistmaterial an die Brutplätze zurück kamen: Nicht nur von künstlichem sondern auch natürlichem Nistmaterial.
Die Daten der Besenderung sind noch nicht ausgewertet, da die Datenerfassung noch nicht beendet ist. Die Wildkameras als auch die Sender lieferten jedoch verlässliche Ergebnisse und hatten keine Ausfälle.

Ausblick


Über die Phänologie des Eintrages von künstlichem Nistmaterial und den Umgang mit diesem ist bisher wenig bekannt. Leider hat man hierfür immer nur eine sehr begrenze Zeitspanne, um Feldarbeit durchzuführen (April bis Juni). Entsprechend wird diese Feldarbeit auch 2021 weiter fortgeführt um anschließend ausgewertet und veröffentlicht zu werden. Die Daten der Zusammensetzung des künstlichen Nistmaterials, die Saisonalität des Eintrages sowie die unterschiedlichen natürlichen Material welche genutzt werden, geben aber einen detaillierten Aufschluss über die Nutzung von künstlichem Nistmaterial (wann, warum, ...) und sind in dieser Weise bisher nicht bekannt gewesen.

Auch die Besenderung wird im Jahr 2021 ein weiteres mal durchgeführt. Hierfür werden im Mai Basstölpelnester mit Wildkameras ausgestattet und die entsprechenden Individuen mit GPS-Sendern ausgestattet. Anschließend werden die Daten ausgewertet um zu schauen, ob es bestimmte Bereiche um Helgoland herum gibt, die gezielt zum Sammeln von Nistmaterial (speziell Plastik) genutzt werden.